Betreten auf eigene Gefahr: Möglichkeiten und Aussichten 2008, alte Hopfenleitern in einem leerstehenden Hopfengarten,50m x 50m x 10m
Eine Komposition aus alten Leitern erstreckt sich über einen stillgelegten Hopfengarten. Die Installation wirkt auf den ersten Blick unauffällig, sie scheint stimmig in ihrer Umgebung aufzugehen. Und doch entwirft die Künstlerin einen Raum, der das reduzierte und nackte Gerüst dieser Anbaufläche überzeichnet: Es fehlt der Hopfen, welcher – so die Grundannahme – durch stetes Emporwachsen die dritte Dimension dieses Raumes ausfüllen müsste. Ohne pragmatischen Nutzen also stehen die Leitern hier, offen und frei zugänglich; lediglich ein kleines Hinweisschild trägt die Aufschrift: „Betreten der Leitern auf eigene Gefahr“. Die bloße Möglichkeit, eine dieser Leitern hinaufzusteigen, eröffnet dem Betrachter nun die körperliche oder imaginative Erfahrung der ‚fehlenden’ dritten Dimension. Der mutige Rezipient, der den Aufstieg auf die alten, krummen Holzleitern wagt, erarbeitet sich Schritt für Schritt Aussicht und Überblick. Im doppelten Wortsinn ‚darüber hinaus’ ragt eine einzelne, überlange Leiter, welche die Ausdehnung des klar definierten Quaders durchbricht und nach oben hin öffnet. Wiederum zeigt sich hier die werkimmanente Gelegenheit für den Rezipienten, den Raum nicht nur zu erfahren, sondern ihn sogar zu erweitern und zu verlassen – obgleich hier wegen der Brüchigkeit der überlangen Leiter die geistige Vergegenwärtigung wohl an die Stelle der physischen Erfahrung treten muss.